Neues Projekt der djoNRW: Barrieren-Parcours – Perspektivwechsel für mehr Sichtbarkeit

Was sind Barrieren eigentlich? Barrierefreiheit ist mehr als ein Wort und mit Sicherheit viel mehr als ein Parkplatz für Rollstuhlfahrer.

Was sind Barrieren eigentlich? Barrierefreiheit ist mehr als ein Wort und mit Sicherheit viel mehr als ein Parkplatz für Rollstuhlfahrer. (Quelle: Tatjana Weber)

Wie kommt man mit dem Rollstuhl in den Aufzug, wenn nur einige wenige Stufen dorthin führen? Was, wenn die Toilette in einem Café oder Restaurant keinen behindertengerechten Zugang hat? Wie lese ich eine Bedienungsanleitung, wenn die Sprache so kompliziert ist? Wie findet sich ein blinder Mensch in einem Geschäft zurecht, wenn der 4-beinige Helfer „draußen bleiben muss“? – Die Hürden, denen behinderte Menschen tagtäglich begegnen, sind vielfältig.
Ein neues Projekt der djoNRW nimmt sich dieses Themas nun an und will dafür bei Jugendlichen mit und ohne Behinderung Aufmerksamkeit und Bewusstsein schaffen.

„Es geht uns um einen Perspektivwechsel. Wir wollen Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung ansprechen und auf Barrieren im Alltag aufmerksam machen“, erklärt Tatjana Weber. Die stellvertretende Landesvorsitzende NRW der djo-Deutsche Jugend in Europa ist Leiterin des Projektes „Barrieren-Parcours – Perspektivwechsel für mehr Sichtbarkeit“. Seit dem 1. Juli trifft sie sich im Großraum Mönchengladbach regelmäßig mit Jugendlichen, die ihren Alltag auf Grund von Behinderungen immer wieder vor Hürden stehen.

Tatjana Weber, Ideengeberin und Leiterin des Projekts, kennt aus eigener Erfahrung die Hindernisse, denen ein Mensch mit Behinderung im Alltag begegnet. (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Tatjana Weber, Ideengeberin und Leiterin des Projekts, kennt aus eigener Erfahrung die Hindernisse, denen ein Mensch mit Behinderung im Alltag begegnet. (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Individuelle Barrieren ansprechen
In ersten Gesprächen und kleineren Aktionen zum gegenseitigen Kennenlernen hat man gemeinsam die Frage erörtert, ‚Was sind eigentlich Barrieren und wie kann man darauf aufmerksam machen oder sie gar beseitigen?‘ „Bei dem Wort ‚barrierefrei‘ denken viele zunächst an Aufzüge, automatische Türen, Rampen und abgesenkte Bordsteine. Doch zu einem barrierefreien Umfeld, einem Raum, der Begegnung und Teilhabe für alle ermöglicht, braucht es einiges mehr als das“, erläutert Tatjana Weber und ergänzt: „Blinde Menschen oder Menschen, die eine geistige Behinderung im Alltag einschränkt, müssen sich mit anderen Barrieren auseinandersetzen.“
Manche Hindernisse im öffentlichen Bereich können durch die Kommunen beseitigt werden, aber bei dem Projekt geht es auch um Barrieren im Kopf. „Bei vielem ist ein Umdenken in der Gesellschaft gefragt. Wir wollen auf beiden Seiten, bei Menschen mit und ohne Behinderung, das Bewusstsein schärfen.“ Menschen, denen man die Behinderung nicht gleich ansieht, haben oft eine Hemmschwelle, zu fragen und um Hilfe zu bitten. Bei Menschen ohne Behinderung ist es hingegen manchmal eine spürbare Distanz und Unbeholfenheit hilfsbedürftigen Menschen ihre Unterstützung anzubieten. Das Projekt „Barrieren-Parcours – Perspektivwechsel für mehr Sichtbarkeit“ will dies ändern.

Was sind Barrieren eigentlich? Mit dieser Frage beschäftigten sich Jugendliche auf kreative Weise.

Was sind Barrieren eigentlich? Mit dieser Frage beschäftigten sich Jugendliche auf kreative Weise. (Quelle: Tatjana Weber)

In die Öffentlichkeit gehen
Nachdem sich die Jugendlichen miteinander vertraut gemacht haben, beginnt nun für das Projekt die zweite Phase, der Begegnungsteil. Geplant ist ein 2-tägiger erlebnispädagogischer Ausflug, der in Zusammenarbeit mit den erfahrenen Mitarbeitern von XPAD-Abenteuer- und Erlebnispädagogik erfolgt. Dabei wird es auch eine spezielle Schnitzeljagd geben, ein Geocashing bei dem die Jugendlichen bewusst auf Hürden achten müssen.
In der Innenstadt von Mönchengladbach-Rheydt will man einen Barriereparcours bauen. Hier gibt es ein „Rollstuhltraining“. Ziel dieser öffentlichen Aktion soll es sein, die Menschen ohne Behinderung zu erreichen und sie für die alltäglichen Barrieren von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. „Hier sollen Passanten Barrieren einmal bewusst erleben, wodurch sich auch hoffentlich ein Dialog eröffnet“, äußert die 30-jährige ihre Hoffnungen und Ansprüche an das Projekt.

Stärke durch gemeinsames Erleben ist der Leitspruch des Projektpartners XPAD. Ein Motto, das auch den Gedanken des Projektes trägt.

Stärke durch gemeinsames Erleben ist der Leitspruch des Projektpartners XPAD. Ein Motto, das auch den Gedanken des Projektes trägt. (Quelle: Tatjana Weber)

Starke Partner
Tatjana Weber ist zuversichtlich, dass mit dem Projekt einiges erreicht werden kann, auch ein Umdenken in den Köpfen beginnt. Eine gute Unterstützung ist ihr durch Träger, Partner und Förderer des Projekts, die gemeinsam über verschiedene Erfahrungen und ausreichend Expertise verfügen, gewiss. Der Landesverband NRW der djo-Deutsche Jugend in Europa ist Träger des Projekts. Kooperationspartner sind AFBJ e.V. (Aktion Freizeit behinderter Jugendlicher e.V.) und der Jugendclub Westend. Der Landschaftsverband Rheinland fördert das Projekt.
Das Projekt „Barrieren-Parcours – Perspektivwechsel für mehr Sichtbarkeit“ endet am 30. Oktober. Bis dahin ist noch einiges geplant. Wer mehr über das Projekt „Barrieren-Parcours – Perspektivwechsel für mehr Sichtbarkeit“ erfahren möchte, wendet sich bitte an Tatjana Weber (Tatjana.Weber@djonrw.de; Tel.: 0157-83787092)

Autor: Dr. Christian Kahl