Mit „Spaß“: Rheinische Sternchen sprechen deutsch und russisch

Viele junge Künstler eröffneten das Festival (Quelle: Der Spaß)

Viele junge Künstler eröffneten das Festival (Quelle: Der Spaß)

Von allen Kölner Rathäusern verkörpert das Porzer Rathaus das rheinische Flair am meisten. Schön ragt das weiße historische Gebäude hinter der Flanierpromenade am Rheinbogen: Ein Motiv wie aus dem Bilderbuch. Kein Ort konnte also passender sein für das internationale Festival „Rheinische Sternchen“. Zum achten Mal wurde im Bildungszentrum des Porzer Rathauses die Veranstaltung mit buntem Bühnenprogramm ausgetragen. Vor und hinter den Kulissen hatte auch in diesem Jahr wieder „Der Spaß“, eine djoNRW-Gruppe, alles im Griff. Vom 26. bis 29. Mai traten abwechselnd über 20 einzelne Künstler und Künstlergruppen im Alter von vier bis 16 Jahren mit Darbietungen in Tanz, Theater, Gesang und bildender Kunst auf.

Das Besondere: Das Festival ist ein interkulturelles deutsch-russisches Kulturprojekt, das vom Porzer Musiktheater „Der Spaß“ unter der Schirmherrschaft der Stadt Köln veranstaltet wurde – mit deutscher Moderation und russischem Gesang. Mit seinem hohen künstlerischen Anspruch und integrativen Konzept ist das Projekt seit Jahren fest in die Stadtteilpolitik eingebunden.

Raissa und Valeriya Myachokva präsentierten das Festival (Quelle: Der Spaß)

Raissa und Valeriya Myachokva präsentierten das Festival (Quelle: Der Spaß)

Kultur kennt keine Grenzen

Mit herzlichen Worten eröffnete der Stadtrat Christian Joisten das Festival. Anschließend begrüßte der Fraktionsvorsitzende der SPD in der Bezirksvertretung Porz, Simon Bujanowski, die Teilnehmer in fließendem russisch. Beide Redner lobten das Projekt für seinen integrativen Charakter. Dieser Feststellung schloss sich bei der späteren Preisverleihung auch der Vorstandvorsitzende des Deutsch-Türkischen Bürgervereins, Senol Cemal, an. Treffend nannte er die Leiterin und Regisseurin des Theaters „Der Spaß“, Raissa Maychkova, „Kulturbotschafterin“. Diese Bezeichnung bringt das Wesen des Projektes auf den Punkt. Bei dem Festival, das bewusst keinen Wettbewerbscharakter hat, gab es nur einen einzigen Gewinner: eine neue deutsch-russische Kultur, die durch hohe künstlerische Leistung der Teilnehmer in jedem Stück zum Ausdruck kam.

In der Gruppe Olivchen zeigten die ganz jungen was in ihnen steckt (Quelle: Der Spaß)

In der Gruppe Olivchen zeigten die ganz jungen was in ihnen steckt (Quelle: Der Spaß)

Tolle Leistungen der jungen Künstler

Am besten wurde der binationale Charakter in einem russischen Lied über die Heimat verkörpert, bei dem auf der Videoprojektion die schönen Kölner Rheinansichten liefen. Das Festival hat gezeigt: Die russische Kultur und Sprache vereint nicht nur Migranten aus den ehemaligen GUS-Staaten, die mit ca. 400 Zuschauern pro Tag die überwiegende Mehrheit des Publikums ausmachten. Sie übt gerade bei Kindern und Jugendlichen gegenseitigen Respekt in der interkulturellen Kommunikation. Denn, wer die eigene Herkunftskultur hochachtet, der achtet genauso jede andere. Deshalb waren die Auftritte deutscher und deutschsprachiger Teilnehmer – wie etwa die Tanzgruppe von Brigitte Pahlke aus Düren – und einige deutsche Kinderlieder der zweisprachigen Teilnehmer bei der Veranstaltung ganz selbstverständlich. Bei dem Festival Rheinische Sternchen standen alle im Rampenlicht und die jungen Künstler konnten mit und ohne russischen Bezug ihr Können zu zeigen. Die akrobatische Hip-Hop Einlagen sorgten für Beifall-Rufe und langen Applaus.

Die Gruppe Schmetterling im Musical „Der Wolf und die sieben Geißlein“ (Quelle: Der Spaß)

Die Gruppe Schmetterling im Musical „Der Wolf und die sieben Geißlein“ (Quelle: Der Spaß)

Alles bestens koordiniert

Neben vielen Solosängern und mehreren Tanzgruppen aus Köln, Wiesbaden, Düren und Wuppertal waren drei Theatergruppen vertreten. Das belgische Theater-Studio ART-Brüssellki trat mit Gedichtsinszenierungen der russischen Kinderdichter auf. Der Kinderklub „Mary Poppins“ aus Bielefeld brachte ein komplett eigenes meisterhaft inszeniertes Theaterstück „Das Buch der Wünsche“ auf die Bühne. Und die Gastgeber, das Theater „Der Spaß“ zeigten ihr 45-minutiges Musical „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Hier war es atemberaubend zu sehen, wie synchron und sicher die jungen Sänger Ihre Sing- und Tanzeinlagen aufführten. Bei den Massenszenen hielten sich zeitweise bis zu 60 Artisten gleichzeitig auf der Bühne auf.

Tolle shows der vielen Tänzerinnen und Tänzer (Quelle: Der Spaß)

Tolle shows der vielen Tänzerinnen und Tänzer (Quelle: Der Spaß)

Tanzen fürs Leben

Diese Professionalität sei nur durch hohe Motivation und harte Arbeit zu erreichen, sagte die Regisseurin Raissa Myachkova, die seit 13 Jahren das Projekt leitet. Die in der Ukraine ausgebildete Theater- und Musiklehrerin kennt die Grundlagen der russischen Theaterpädagogik und sucht stets nach Neuerungen und Inspirationen. Jedes Jahr lädt sie auch Gruppen aus Russland und aus der Ukraine ein. Diese zeigen ein Niveau, das nur mit größerem zeitlichen Einsatz zu erreichen ist. In diesem Jahr seien sie leider wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Lage dem Festival ferngeblieben.

In Porz bekommt das Kinder-Musik Theater „Der Spaß“, eine Gruppe des Landesverbands NRW der djo-Deutsche Jugend in Europa, nach jeder Aufführung neuen Zulauf an jungen Teilnehmer. Inzwischen müssen schon viele auf die Warteliste. Nach der Theaterausbildung seien bis jetzt alle Absolventen „normale“ Ausbildungswege gegangen. Die Bühnenfertigkeiten aber brächten ihnen höheres Selbstwertgefühl und Sicherheit bei öffentlichen Auftritten. Die sei auch im Berufsleben nützlich, weiß Raissa Myachkova.

Beim Finale zeigten sich nochmal viele Akteure auf der Bühne (Quelle: Der Spaß)

Beim Finale zeigten sich nochmal viele Akteure auf der Bühne (Quelle: Der Spaß)

„Danke“

Solch ein Festival wie die „Rheinischen Sternchen“ zu planen und vorzubereiten braucht viele Helfer. Immer an der Seite von Raissa Myachkova ist ihre Tochter, Valeriya. Sie hat nicht nur organisatorisch unterstützt, sondern die Gruppen trainiert. Mehr als 15 Tänze, ob Volks-, modern- und Standart-Latein-Tänze hat sie mit fünf Gruppen vorbereitet. Auch die harten Proben zum Theaterstück hat sie mitbetreut.

Unverzichtbare Helfer der Veranstaltung waren ebenfalls Vasyl Shylov und Michael Kuzmin. Die komplette Technik lag in ihren Händen. Lange vor und nach den Auftritten waren sie noch fleißig, damit Sound und Licht für jede Gruppe stimmte. „Da kommen schon mal schnell zwölf Stunden täglich zusammen. Aber das ist ok und wir machen das gerne. Wenn wir am Ende sehen, wie glücklich die Kinder nach ihrem erfolgreichen Auftritt sind, hat sich unsere Arbeit gelohnt“, sagt Vasyl Shylov. Seit vielen Jahren begleitet er die Auftritte und ist der Ansprechpartner, wenn es um technische Details geht. Die Leiterin und Regisseurin des Theaters, Raissa Myachkova, ist dankbar für diese Unterstützung, vergisst aber nicht die vielen ungenannten Helfer im Hintergrund, besonders die Eltern der Kinder. „Ohne sie, könnte man so einen Event nicht veranstalten. Sie haben sich um das Buffet gekümmert und nach jeder Veranstaltung den Saal in Ordnung gebracht.“ Hier wird deutlich: Nur zusammen kann man solche Erfolge bringen.

Der laute und lange Applaus bestätigte alle Organisatoren und Helfer in ihrem Engagement. Viele Zuschauer besuchen regelmäßig Auftritte der „Spaß-Kinder“ aus Köln. Sie sind schon auf die nächsten Darbietungen des Theaters gespannt, um dann wieder die neuen kreativen Ideen der Pädagogen und die Professionalität der jungen Artisten mit ihrer Liebe zur Herkunftskultur der Eltern zu bewundern.

Autor: Wlad Sankin