LJT 2014: „Spurensuche“ mit rheinischem Abend

djo-Logos beweisen: Viele verschiedene Einflüsse prägen bis heute den Verband (Quelle: Dr. Christian Kahl)

djo-Logos beweisen: Viele verschiedene Einflüsse prägen bis heute den Verband  und haben Spuren hinterlassen (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Vom 15.-16. November fand in Himmighausen der diesjährige Landesjugendtag der djoNRW statt. Rund 50 Teilnehmer waren zu der jährlich stattfindenden Veranstaltung angereist und für viele war es der erste Besuch in der frisch renovierten djo.Bildungsstätte.Himmighausen. Die Zustimmung zur „neuen“ Bildungsstätte war eindeutig. „Wir hatten uns hier schon immer wohlgefühlt, aber die vielen Veränderungen machen den Aufenthalt jetzt noch schöner“, war oft zu hören. Auch die Workshops zum Thema „Spuren“ sowie der rheinische Abend fanden großen Anklang und wurden begeistert aufgenommen.

Regelmäßig findet Mitte November der jährliche Landesjugendtag (LJT) des Landesverbandes der djo – Deutsche Jugend in Europa (djoNRW) statt. Ein Termin, den sich viele Mitglieder lange vormerken, denn bei der 2-tägigen Veranstaltung erfährt man die aktuellen Neuigkeiten aus dem Verband. Aber auch die Geselligkeit und das bessere Kennenlernen einzelner Mitglieder aus verschiedenen Gruppen ist den djo’lern wichtig.

Mit dem Rheinland auf Spurensuche

Eine Spurensuche kann auch künstlerisch und kreativ sein. (Quelle: Stefan Spies)

Eine Spurensuche kann auch künstlerisch und kreativ sein (Quelle: Stefan Spies)

Das Motto des diesjährigen LJT lautete „Spuren“ und hierfür hatte sich der Regionalverband Rheinland, der das Rahmenprogramm der Veranstaltung organisiert hatte, einiges einfallen lassen. Begibt man sich als djo’ler auf Spurensuche, kann dies sehr unterschiedlich sein. Das merkte man schnell, wenn man sich die drei angebotenen Workshops anschaute und einfach mitmachte. Für jeden war etwas dabei: Beim Workshop „Tanz“ waren Musikbegeisterte bestens aufgehoben, beim Workshop „Kreativ“ war künstlerisches Talent gefragt und der Workshop „Spuren in der Geschichte“ brachte Historisches und Aktuelles zu Tage. Die drei Workshops dauerten jeweils rund 45 Minuten, so dass die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, sich an jenem Samstagnachmittag hintereinander auf mehrere Spurensuchen zu begeben.

Tanz verbindet Europa

Auch Neulinge im Tanz fanden schnell den richtigen Takt. (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Auch Neulinge im Tanz fanden schnell den richtigen Takt (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Susanne Clarke leitete den Workshop „Spuren des Tanzes“. Susanne ist eine erfahrene Tänzerin und gemeinsam mit ihrer Gruppe dem Folklorekreis Eurode hat sie in den letzten Jahren auch das Repertoire der Tänze erweitert und ist dabei ungewöhnliche Wege gegangen. So waren es anfangs fast ausschließlich pommersche, ostpreußische und schlesische Tänze, die man einstudierte. Doch die politische Veränderung Europas, die Vergrößerung der EU und das Zusammenwachsen der Nationen und Völker hat zusätzliche Akzente gesetzt. Der neuste Trend heißt „Pops meets Folk“. Hier werden klassische Tänze mit moderner Musik kombiniert.

In jedem Fall ist eins konstant geblieben. Früher wie heute sind Tanzbegeisterte beim Folklorekreis Eurode bestens aufgehoben. Das spürten auch schnell die Teilnehmer des Workshops am LJT. Susanne gab ihnen – teils erfahrene Tänzer, aber auch Anfänger, die bisher noch wenig getanzt hatten – zunächst einen kurzen Überblick über die traditionellen Tänze. Und dann ging es schon los. Der „Gumbinner“, ein Tanz aus Ostpreußen, stand auf dem Programm. Anfangs wurde die Schrittfolge ohne Musik eingeübt: „Seit – Hinter – Seit – Hüpf – Richtungswechsel“, lautetet das Kommando. Der Laie merkte spätestens jetzt: Was sonst bei Auftritten in den Trachten so leicht und einfach wirkt, erfordert viel Training und Konzentration. An diesem Nachmittag erleichterten erfahrene Tanzpartner den „Neuen“ den Start in den Tanz. Als das auch mit der Musik gut klappte, war das kein Grund zum Ausruhen. „Jetzt steigern wir uns“, war Susannes Ansage für den nächsten Tanz. Eine irische Tanzweise stand auf dem Programm, denn „irische Musik ist immer tanzbar“, hörte man die erfahrene Tanzlehrerin sagen. Passend zur fröhlichen Musik war auch die Stimmung locker – wenn es auch anstrengend war.

Kreative und künstlerische Spurensuche

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Konzentration und Sorgfalt war beim Malen der vielen Logos gefragt (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Während im Seminarraum 2 getanzt wurde, fand anderswo eine kreative Spurensuche statt. Die Spuren der djoNRW wurden im Workshop „Kreativ“ beleuchtet. Dagmar Bitz von der DJO Merkstein hatte viele kleine Leinwände mitgebracht auf die nun die einzelnen Logos der djoNRW-Gruppen gemalt wurden. Natürlich fanden hier auch die Ursprünge des Verbandes eine Würdigung. Die Wappen der Gründungsgruppen Schlesien, Pommern, Ostpreußen und Sudetenland durften bei der künstlerischen Aktion nicht fehlen. Ebenso wurden die Logos aller weiteren Gruppen, ob traditionelle Tanzgruppen oder neuere Integrationsgruppen, gemalt. Zum Ende der Aktion hingen die Teilnehmer alle Leinwände nebeneinander auf. Diese Installation wird auch künftig in der Bildungsstätte bleiben und jedem Gast zeigen, wie vielfältig die djoNRW ist.

„Deutsche waren auf allen Kontinenten zu Hause“

In Kleingruppen wurde diskutiert, wann und warum Deutsche ihre Heimat verließen. (Quelle: Dr. Christian Kahl)

In Kleingruppen wurde diskutiert, wann und warum Deutsche ihre Heimat verließen (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Welche Spuren haben die Deutschen in aller Welt hinterlassen? Wohin sind sie zu welcher Zeit ausgewandert und was waren ihre Beweggründe. Diesen Fragen stellte sich der Workshop „Spuren in der Geschichte“, den Thomas Krelle von der DJO Merkstein leitete. Hier gab es interessante Fakten, die manch einen erstaunten. Wer weiß etwa, dass aktuell die Schweiz, die USA und Österreich die bevorzugten Auswanderungsländer der Deutschen sind. Und: Eine Umfrage in den USA aus dem Jahr 1979 belegte, dass der US-amerikanische Bevölkerungsanteil mit deutschen Wurzeln die größte Gruppe bildet, noch vor den Iren. Bei der Vorbereitung auf den Workshop hatte sich Thomas Krelle mit dem Thema Auswanderung der Deutschen intensiv beschäftigt und stieß dabei auch auf Nachdenkliches. „Es ist schon erschreckend, dass die Opfer und Täter im Nationalsozialismus die gleichen Ziele hatten, wenn auch mit einigen Jahren Unterschied. Viele zog es damals nach Südamerika.“

An der Weltkarte erkennen: Die Deutschen waren auch immer ein Auswanderervolk (Quelle: Dr. Christian Kahl)

An der Weltkarte erkennen: Die Deutschen waren auch immer ein Auswanderervolk (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Die Deutschen haben auf der ganzen Welt ihre Spuren hinterlassen und waren auf allen Kontinenten zu Hause. Es gab immer wieder Epochen, wo Deutsche aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen haben. Und dies ist auch heute noch ähnlich, wenn auch inzwischen Deutschland ein beliebtes Ziel für Einwanderer geworden ist. „Die Ursachen von damals sind die gleichen Gründe, warum sich heute Menschen für die Einwanderung nach Deutschland entscheiden. Oft zwingt das Fehlen religiöser Freiheit oder die wirtschaftliche Not Menschen dazu ihre Heimat zu verlassen und in Deutschland eine bessere Zukunft zu suchen. Aus den gleichen Gründen sind damals Deutsche ausgewandert und deshalb kommen heute andere Menschen nach Deutschland“, stellte ein Teilnehmer kritisch fest.

Rheinischer Frohsinn am Abend

Die närrische Zeit ist eingeläutet. Spurensuche auf rheinisch (Quelle: Stefan Spies)

Die närrische Zeit ist eingeläutet. Spurensuche auf rheinisch (Quelle: Stefan Spies)

Eine Spurensuche der ganz anderen Art stand abends ab 20:11 Uhr auf dem Programm. Der Regionalverband Rheinland lud zum rheinischen Abend. Und da die neue Karnevalssession erst wenige Tage alt ist, gab es eine Einstimmung auf die närrische Zeit. Mit Büttenrede, Musik, Gesang und Polonäse wurde auch der eher ruhige Westfale von der rheinischen Fröhlichkeit angesteckt. An einem echten Rheinischen Buffett mit Halve Hahn, Flönz und Rievkooche stärkten sich die närrischen djo’ler.

Das Dreigestirn vom Regionalverband Hügelland regiert die djo Narren (Quelle: Stefan Spies)

Das Dreigestirn vom Regionalverband Hügelland regiert die djo Narren (Quelle: Stefan Spies)

Es blieb nur noch die Frage: Wer sind die Tollitäten? In verschiedenen Spielen, bei denen verschiedene Teams gegeneinander antraten, wurde das Dreigestirn des Abends ermittelt: Der Regionalverband Hügelland schwingt für ein Jahr das närrische Zepter. Himmighausen alaaf, djo alaaf, Landesjugendtag alaaf hörte man oft und bis tief in die Nacht.

 

 

Ein Landesjugendtag ist auch immer Informationsaustausch

Umfassende Informationen gab es bei den Regularien (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Umfassende Informationen gab es bei den Regularien (Quelle: Dr. Christian Kahl)

Das bunte Programm am Samstag, das die verschiedenen Gruppen näher zusammenbringt, aber auch die Delegiertenversammlung am Sonntag locken immer viele Mitglieder zum Landesjugendtag. Hier bekommt man einerseits ein Update, was sich im vergangenen Jahr alles rund um die djo – Landesverband und Bundesverband – getan und verändert hat, und andererseits ist man neugierig, was für die Zukunft geplant ist und wo die Schwerpunkte liegen. Gab es Personalveränderungen, welche Auftritte, Reisen und Freizeiten führen und führten die einzelnen Gruppen durch – und ganz aktuell: Wie lief der Umbau der Bildungsstätte. Auf diese Fragen bekamen die Mitglieder sonntags umfassend Antworten, bevor sich jeder auf die Heimreise machte.

Autor: Dr. Christian Kahl