Landesjugendtag 2011: Eine Reise durch die Kulturen

Sertac Uyar zeigt seinen neuen Tanzschülern die richtigen Schritte. (Quelle: Christian Kahl)

Sertac Uyar zeigt seinen neuen Tanzschülern die richtigen Schritte. (Quelle: Christian Kahl)

Es ist ein fester Termin, auf den sich die Mitglieder der djo-Deutsche Jugend in Europa jährlich freuen. Der Landesverband NRW lud zum Landesjugendtag (LJT) 2011 ein. Die 2-tägige Veranstaltung lockte rund 50 Mitglieder und Freunde der djoNRW in die Gesamtdeutsche Bildungsstätte nach Himmighausen. Ein abwechslungsreiches Programm und viele Entscheidungen prägten Veranstaltung.

Für das Programm am Samstag waren in diesem Jahr die Mitglieder des djo KV Duisburg verantwortlich und sie hatten sich wirklich Mühe gegeben. Das Motto hieß: Ach, du grüne Neune! Dazu hatten sich die djo’ler aus Duisburg etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Es gab neun Aktionen zum Kennenlernen der verschiedenen Kulturen! Mit Tanz und Kultur, Geschichte und Leckereien, Bildern und Aktionen stellten sich verschiedene Kulturen von Gruppen der djoNRW vor.

Im Angebot: Russische Lebkuchen (Quelle: Christian Kahl)

Im Angebot und gerne probiert: Russische Lebkuchen (Quelle: Christian Kahl)

Kulinarische Weiterbildung

Anders als in früheren Jahren verteilten sich die Mitglieder nicht auf fest zusammengesetzte Gruppen, sondern konnten nach Lust und Laune diverse Stationen besuchen. Das nutzte jeder und ständig waren an den Stationen neue Gesichter anzutreffen.

Spannende Informationen und Hintergrunddetails boten die Stände der einzelnen Gruppen der djoNRW in den Tagungsräumen. Was haben Assyrer mit Babylon zu tun? Woher stammen Roma ursprünglich? Und was sind eigentlich Prjaniki? Die letzte Frage wurde in der kulinarischen Ecke beantwortet, wo sich eine Vielzahl von Landesspeisen dem interessierten – oder hungrigen – Besucher bot.

Individuelle Enten entstehen (Quelle: Christian Kahl)

Individuelle Enten entstehen (Quelle: Christian Kahl)

Anziehungsmagnet kurdischer Tanz

Großer Beliebtheit erfreute sich der kurdische Tanz. Hier war nicht nur Zuschauen angesagt, sondern auch Mitmachen. Sertac Uyar von der Gruppe Komciwan brachte den interessierten djo’lern einen kurdischen Volkstanz aus der Provinz Wan bei. Diese Region im Osten der Türkei ist den meisten bisher nur durch das schlimme Erdbeben im Oktober bekannt gewesen. Der 21-jährige tanzt seitdem er laufen kann und begann Folkloretanz schon mit sechs Jahren. War die Schrittfolge anfangs doch für den ein oder anderen etwas schwer, überwog bei allen der Spaß am gemeinsamen Tanz.

Mal was Neues - Kurdischer Tanz (Quelle: Christian Kahl

Mal was Neues – Kurdischer Tanz (Quelle: Christian Kahl

Schattenspiele der besonderen Art

Das Abendprogramm brachte ein besonderes Highlight: Das ‚Theater der Dämmerung’ zeigte das Schattenspiel „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. In etwa 50 Minuten erlebte das Publikum eine Geschichte, die mal lachen ließ, aber auch zum Nachdenken anregte, denn das Märchen handelt nicht zuletzt von der Hoffnung auf Veränderung.

Das Schattenspiel zog alle Zuschauer von der ersten Sekunde an in seinen Bann. Es war rundum eine Aufführung, die die Phantasie beflügelte und Neugierde weckte – auch wie es hinter den Kulissen aussieht. Als die beiden Künstler am Ende Alle zu einem Blick hinter die Bühne einluden, war der Ansturm groß. Jeder wollte sehen, wie die Schatten und das Bühnenbild in Wirklichkeit aussehen.

An Literatur zu den Ländern mangelte es nicht (Quelle: Christian Kahl)

An Literatur zu den Ländern mangelte es nicht (Quelle: Christian Kahl)

Sonntag – Wahltag

Mit einem Rückblick des Landesvorsitzenden, Christian Gradt, auf das Landesfest in Oer-Erkenschwick und den Integrationskongress in Wuppertal wurde am Sonntag die Versammlung der Delegierten eröffnet. Wichtige Abstimmungen sollten den Verlauf dieses Vormittags bestimmen. Der Vorstand wurde erneut gewählt und es galt über zwei Aufnahmeanträge zu entscheiden.

Vor den wichtigen Abstimmungen wurde ein Blick in die Zukunft und auf aktuelle Projekte geworfen. Die gute und anerkannte Arbeit der djoNRW verdeutlicht etwa die regelmäßige Projektförderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Jüngstes djoNRW Projekt, das eine BAMF-Förderung erhält ist „be young and roma“. Hierbei handelt es sich um ein lokales Mentoringprojekt im Raum Düsseldorf, dass die Integration junger Roma verfolgt. Merfin Demir, einer der Initiatoren und aktiv bei Terno Drom konnte schon von ersten Erfolgen des Projekt berichten.

Himmighausens Zukunft

Großes Interesse gab es bei dem Thema, wie das djo-Haus in Himmighausen, die Gesamtdeutsche Bildungsstätte, attraktiver werden kann. Hierzu holte man sich nun professionelle Unterstützung: Fünf Studentinnen der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur befassen sich im Rahmen ihres Studiums mit der Umgestaltung der Bildungsstätte.

Ende Dezember soll eine erste Präsentation erfolgen und im kommenden Sommersemester wird die realistische Planung erfolgen – in einem Wettbewerb mit engen Rahmenbedingungen. Das Ziel ist der Umbau im Sommer 2013, was für das Haus eine Schließzeit für drei Monate bedeuten würde. Man darf gespannt sein.

Ein Mitglied des JSDR und seine Ente (Quelle: Christian Kahl)

Ein Mitglied des JSDR und seine Ente (Quelle: Christian Kahl)

Die Wahlen: Bestätigung einer guten Arbeit

Nach soviel guten Nachrichten, die den Weg der djoNRW bestätigen und die Zukunft im Visier haben, standen die Abstimmungen an. So entspannt, wie das gesamte Wochenende, verliefen auch diese. Alle Abstimmungen waren einstimmig! Für die nächsten zwei Jahre wird erneut Christian Gradt den Landesvorsitz übernehmen. Es stellte sich kein Gegenkandidat, was auch als stille Anerkennung seiner vergangenen Amtszeit gewertet werden kann. Gleiches gilt für Annette Grave, die erneut im Amt der Schatzmeisterin bestätigt wurde. Zu den stellvertretenden Landesvorsitzenden wurden Tatjana Weber und Sanharib Simsek gewählt. Auch sie waren keine unbekannten, denn sie gehörten in den vergangenen zwei Jahren bereits dem Vorstand an.

Spannender waren die Wahlen für die Beisitzer im Landesvorstand. Hier werden künftig drei neue Gesichter die Arbeit unterstützen und mit gestalten: Elena Ulitin, Luisa Kinzel und Dana Richter.

Für die Delegierten war der Sonntagvormittag ein kleiner Wahlmarathon, denn weitere wichtige Entscheidungen mussten getroffen werden. Zum Ersten und Zweiten Kassenprüfer wurden Andreas Josko und Klaus Berg gewählt. Ihre Vertreter sind Tim Leiwesmeier und Stefanie Gradt. Das Schiedsgericht wird in den kommenden zwei Jahren von Hedda Kretsch, Barbara Schoch und Peter Neiß besetzt.

Diskussionen zum Thema Vorurteile. Hier durfte jeder alles sagen. (Quelle: Christian Kahl)

Diskussionen zum Thema Vorurteile. Hier durfte jeder alles sagen. (Quelle: Christian Kahl)

Neue Gruppen: Terno Drom & Komciwan

Den Entscheidungen über das Personal folgte die Abstimmung über die Aufnahme von zwei neuen Gruppen: Terno Drom und Komciwan. Beide haben in der Vergangenheit bereits eng mit der djo zusammengearbeitet und ihre anwesenden Vertreter waren für die meisten keine neuen Gesichter.

Merfin Demir, der bereits durch das BAMF-Projekt „be young and roma“ bekannt war, stellte Terno Drom vor. Dabei handelt es sich um eine interkulturelle Jugendorganisation von Roma und Nicht-Roma in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Terno Drom engagiert sich im Bereich der Bildung und des Abbaus von Diskriminierung.

Komciwan, die ebenfalls einen Antrag auf Aufnahme in die Landesgruppe NRW stellten, ist mit der djo schon lange in engem Kontakt. Rojin Cengiz und Sertac Uyar, der bereits am Samstag die Anwesenden mit kurdischem Tanz begeisterte, stellten den Delegierten ihre Gruppe vor. Seit 2004 ist die kurdische Gruppe Komciwan Mitglied der djo auf Bundesebene. In Nordrhein-Westfalen möchte Komciwan nun verstärkt die Integration von kurdischen Kindern und Jugendlichen forcieren.

Es gab von den interessierten Delegierten einige Nachfragen zu beiden Gruppen und die abschließende Abstimmung verlief – wie so vieles an diesem Tag – einstimmig. Alle waren sich einig, dass die djoNRW der richtige Partner für die neuen Gruppen ist.

Ein Ausblick auf das nächste Jahr beendete den Landesjugendtag. Das Großprojekt der djoNRW in 2012 ist zweifellos das Landeskulturprojekt: Vom 17.-20. Mai wird in der Jugendherberge am Möhnesee wieder bewiesen, wie bunt die djoNRW ist.

Autor: Dr. Christian Kahl