Integration, Interkultureller Austausch, Freundschaften – durch Kunst!

Künstlerisch setzten sich die Jugendlichen mit einem komplexen Thema auseinander (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Künstlerisch setzten sich die Jugendlichen mit einem komplexen Thema auseinander (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Am vergangenen Wochenende fand in dem Paderborner St. Liborius Forum die Vernissage der Kunstausstellung des B’shayno Paderborn e.V. mit rund 170 Besuchern  statt. Nora Liebetreu eröffnete die Kunstausstellung. Sie leitet das von der Aktion Mensch geförderte Projekt B’shayno.Willkommen. der djoNRW e.V. in Kooperation mit dem AJM e.V. „Es ist nun eineinhalb Jahre her, seitdem das Projekt B’shayno.Willkommen. seinen Projektauftakt in Paderborn gefeiert hat. In dieser Zeit haben sich über 70 Paderborner Jugendliche mit assyrischem/ aramäischen Migrationshintergrund und junge Geflüchtete kennengelernt und den Verein B’shayno Paderborn e.V. gegründet. Inzwischen agiert der Verein immer selbstständiger, nimmt an anderen Projekten teil oder initiiert eigene Projekte“, gab sie einen Einblick wie sich das Projekt in den letzten 18 Monaten entwickelt hat.

Neben einer großen sportlichen Fraktion gibt es unter den B’shayno-Jugendlichen viele kreative Köpfe. Die Kreativen des Vereins haben an zwei Kunstprojekten mitgemacht deren Werke  nun in einer gemeinsamen Ausstellung betrachtet werden können. Während in dem einen Projekt Leinwände mit Acryl gestaltet wurden, entstanden in dem anderen Projekt Poetry-Video-Clips – und das alles unter dem selbst gewählten Motto: Interkulturelle Freundschaften im Kontext von Flucht und Integration.

Zeigen, was Freundschaft bedeuten kann

Sie können stolz auf sich sein: Nora Liebetreu und Maya Yoken haben mit viel Energie und Leidenschaft die Projekte unterstützt (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Sie können stolz auf sich sein: Nora Liebetreu und Maya Yoken haben mit viel Energie und Leidenschaft die Projekte unterstützt (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Nach den einleitenden Worten von Nora Liebetreu stellte Maya Yoken, Projektleitung des djoNRW-Projekts „Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten“ das Projekt vor in welchem die Leinwände entstanden sind. Das djoNRW-Projekt wird vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und in diesem Rahmen fand auch das Paderborner Kunstprojekt mit der Künstlerin Claudia Cremer-Robelski statt. Über Monate hinweg hat sich eine Gruppe der B’shayno-Jugendlichen regelmäßig zum Malen auf Leinwänden mit Acryl in dem Atelier CCR der Künstlerin Claudia Cremer-Robelski getroffen, sich mit dem Thema auseinandergesetzt und zahlreiche Kunstwerke erschaffen. „Dafür möchten wir uns bei der Künstlerin, die die B’shayno Jugendlichen begleitet und zur künstlerischen Bildung der Jugendlichen beigetragen hat noch einmal herzlich bedanken“, sagt Nora. Knapp 40 Gemälde sind entstanden, die – heute wichtiger denn je – zeigen, was Freundschaft bedeuten und wie Integration gelingen kann.  

Neben den Kunstwerken auf Leinwand wurden auch Poetry-Video-Clips von den B’shayno-Jugendlichen gedreht, welche in der Ausstellung in einem kleinen Kino bestaunt werden können. Die Jugendlichen haben, angelehnt an das Motto, eigene Texte und Lieder geschrieben, die sie in den Video-Clips künstlerisch darstellen. Die Poetry-Video-Clips wurden gemeinsam mit dem Lektora Verlag und jugendstil NRW e.V. umgesetzt. Dieses Projekt wurde vom selbigen NRW-Ministerium gefördert. Karsten Strack, Geschäftsführer des Lektora Verlags beschrieb die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen als „großes Glück“ und meinte, er habe schon „bei dem ersten Treffen im Atelier CCR gemerkt, dass die Jugendlichen ganz offen sind für neue Dinge und unbedingt mitmachen möchten. Und ich habe eine Liebe in dem Raum gespürt, welche mir direkt aufgefallen ist und euch auszeichnet.“

Vielfache Anerkennung

Michael Dreier, Bürgermeister der Stadt Paderborn, sieht in dem Ergebnis des Projekts eine Bereicherung für die Stadt (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Michael Dreier, Bürgermeister der Stadt Paderborn, sieht in dem Ergebnis des Projekts eine Bereicherung für die Stadt (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Auch der Bürgermeister der Stadt Paderborn, Michael Dreier, war anwesend und fand anerkennende Worte für die jungen Künstlerinnen und Künstler, das Projekt und die partizipierenden Vereine. Die kulturelle Bildung und Auslebung wurde – insbesondere im Rahmen des gesetzten Mottos – sehr positiv aufgefasst. „Ich denke, wenn wir uns dieses Thema, welches Sie heute hier platzieren anschauen, dann geht es um die Kultur in unserer Stadt. Dann geht es darum, Paderborn als internationale Stadt immer wieder deutlich zu machen, dass uns alle Menschen, die zu uns gekommen sind, außerordentlich wichtig sind“, betonte Bürgermeister Dreier in seinem Grußwort.

Für die geleistete Arbeit im Rahmen des Projekts „B’shayno.Willkommen.“ fand Bürgermeister Dreier lobende Worte und stellte die Arbeit als einen klaren Mehrwert für Paderborn dar, weshalb eine weitere Ausstellung der geschaffenen Kunstwerke in dem städtischen Bilderborgen, dem sogenannten „Bürgermeisterflur“ angeboten wurde. „Ihr seid ein fester Bestandteil unserer Stadtgesellschaft und in diesem Falle bin ich dem Verein B’shayno wirklich außerordentlich dankbar. Denn hier haben sich Leute auf den Weg gemacht, die hier aufgewachsen sind, ihre Heimat schon hatten, aber auch versucht haben mit jungen Geflüchteten gemeinsam ein Ankommen zu ermöglichen, sich zu integrieren und unsere Kultur kennenzulernen und die eigene einbringen zu können.“

Auch die zweite Vorsitzende des Vereins B’shayno Paderborn e.V. Fadia Barsoum ist begeistert von der Leistung der Vereinsmitglieder: „Ich möchte gerne allen Künstlern sagen, dass sie dieses Projekt sehr gut gemacht haben. Die Bilder sind einfach toll und ich wünsche euch vom Herzen viel Glück! Ich bin stolz auf euch.“

Claudia Cremer-Robelski, Künstlerin aus Paderborn hat den jungen Künstlerinnen mit ihrem Know-How, Materialien und ihrem Atelier CCR zur Seite gestanden und ist nicht nur im Hinblick auf die Resonanz zufrieden mit den künstlerischen Ergebnissen, sondern hat auch die B’shayno Jugendlichen ins Herz geschlossen: „Es hat super viel Spaß gemacht. Erst wusste ich nicht, worauf ich mich einlasse, aber es war so toll, wir haben so viel Spaß gehabt – und gerne jeder Zeit wieder – wir waren wie eine große Familie!“

Viele Möglichkeiten – heute und in Zukunft

Auch in Video-Clips setzten sich die Jugendlichen mit dem Thema auseinander (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Auch in Video-Clips setzten sich die Jugendlichen mit dem Thema auseinander (Quelle: AJM e.V./djoNRW)

Für die Künstlerinnen und Künstler war das Projekt eine wichtige Möglichkeit zur Verständigung, des Selbstausdrucks und der kreativen Auslebung. Auch die Geschwister Miryam und Ilouna Hanna, welche mehrere Leinwände mit Acryl zu Kunstwerken kreierten und auch an dem Video-Projekt partizipierten, sind überwältigt.

„Malerei ist für mich ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit geworden. Die Teilnahme an der Ausstellung war eine große Chance für mich. Ich habe es geliebt, viel zu teilen und habe es genossen, wenn ich den Leuten die Bedeutung der Bilder, die ich gezeichnet habe, erklären konnte. Ich bin jetzt sehr glücklich und möchte weiter zeichnen“, sagt Ilouna begeistert. Ihre Schwester ergänzt voller Begeisterung: „Ich möchte mich herzlich beim  AJM Verein für die Unterstützung und die Gelegenheit bedanken, an so einer schönen Vernissage teilzunehmen. Es war ein richtig toller Abend mit euch allen.“

Nora Liebetreu zieht ein Fazit: „Ich bin so unglaublich überrascht und baff, was in den letzten eineinhalb Jahren in Paderborn passiert ist. Die Jugendlichen haben sich insbesondere über ihre Gemeinsamkeiten Interessen und Hobbys kennengelernt, denn das war ganz wichtig – am besten lernt man sich einfach kennen, wenn man Gemeinsamkeiten hat und darüber können Freundschaften entstehen. Dass die Ausstellung ein Erfolg wird, habe ich mir von Anfang an – allein aufgrund der tollen Kooperationspartner, der beteiligten Künstlerin und der hochmotivierten Jugendlichen – gedacht. Das, was wir nun bei der Vernissage erleben konnten, hat aber auch mich umgehen: 170 Gäste, zahlreiche verkaufte Werke, mehrere Anfragen für neue lokale Projekte – ich freu mich auf alles, was aus der Kunst-Ausstellung entstanden ist und bin gespannt, was sich daraus noch entwickeln wird.“

Autor: Maya Yoken / Nora Liebetreu

 

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