„Gemeinsam in Vielfalt“ – Mehr als ein Fußballturnier

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So jubeln Sieger.

Über 100 jugendliche Spieler und begeisterte Zuschauer erlebten mehr als nur spannende und umkämpfte Duelle. Das Motto, „Gemeinsam in Vielfalt“ zeigte sich auch abseits des Spielfeldes. Spieler und Zuschauer bekamen ein buntes Programm geboten: Multikulturelle Mannschaften, eine Showeinlage mit indischem Tanz, professionelle Kinderbetreuung und leckeres Essen.

 

Viele Teams des bezahlten Fußballs sind in der Winterpause. Genau die richtige Zeit für ein Hallenfußballturnier, dachten sich die Verantwortlichen von „be young & roma“. Erst vor zwei Monaten hatte man in Düsseldorf-Benrath das Fair.Play.Together!-Turnier ausgerichtet. Der große Zuspruch zu dieser Veranstaltung und die hohe Nachfrage nach einem weiteren Fußballturnier, ließ die Organisatoren nicht lange zögern.

Schuss! - Tor?

Schuss! – Tor?

Sport ist Sport

Terno Drom war direkt mit zwei Mannschaften angereist. „So können alle Spieler gleich lang spielen, und wir müssen nicht wechseln. Die Fußballbegeisterung ist riesig. Wir sind heiß, da will keiner auf der Bank auf seinen Einsatz warten“, sagte Muhamed Feurer. Auch ein Turnier mit anderen Sportarten fände er für die Zukunft gut, „Basketball ist vorstellbar“.

Sein Gegner vom Krefelder Team, der 22-jährige Ricardo Sacirovic, sieht es genauso. Auf die Frage ob Interesse an Turnieren mit anderen Sportarten besteht, kommt ein spontanes, „Ja klar, Sport ist Sport.“

Die Mannschaft von "be young & roma"

Die Mannschaft von „be young & roma“.

„Tooor“ & „Goool“

Auch diesmal nahmen neben Spielern, deren Muttersprache deutsch ist, wieder junge Roma, sowie russisch- und türkischsprachige Jugendliche an dem Turnier teil. Die Krefelder Mannschaft, deren Spieler neben serbischen noch roma-Wurzeln haben, war mit zehn Spielern und einigen Fans angereist.

Die Internationalität merkte man auch am Torjubel, wenn anstatt des bekannten „Tooor“ schon mal „Goool“ gerufen wurde – so jubelt man etwa auf Russisch, Türkisch, Serbisch oder Romanes. Alle Mannschaften spielten auf Sieg und die Teams schenkten sich nichts. „Die Spiele sind umkämpft, aber es ist ein faires Turnier“, stellte Tiemo, einer der beiden Schiedsrichter, fest.

Freude am Tanz.

Freude am Tanz.

Indische Klänge in der Pause

Zwischen den Spielen gab es Auftritte von „Bollywood Dance“, einer Kindertanzgruppe, die von der Jugend Freizeiteinrichtung V24 gegründet wurde. Seit etwa drei Monaten unterrichtet die aus Indien stammende Tanzlehrerin Amina Karimani zwölf Kinder im Alter von 6-12 Jahren. „Die Kinder haben hier viel Spaß. An der Bewegung und der Musik“, bringt es Sevgi Dilber, eine Mutter, auf den Punkt.

Lachen bei der Kinderbetreuung.

Lachen bei der Kinderbetreuung.

Ohne freiwillige Helfer geht es nicht

Die professionelle Unterstützung spürte man überall. Sanela kümmerte sich in einer Spiele- und Bastelecke um die jüngeren Gäste des Turniers. Sie macht aktuell eine Ausbildung zur Erzieherin im Kindergarten. Als die Planungen für das Turnier begannen, erklärte sich Sanela spontan bereit, zu helfen. „Ich mache das hier ehrenamtlich, weil mir die Arbeit mit Kindern Spaß macht. Es ist ein schöner Job.“ Sanela ist in Deutschland geboren und hat mazedonische Wurzeln. Sie weiß, dass Integration bei den Kleinsten beginnen muss. „Bei solchen Veranstaltungen unterstütze ich gerne wieder.“

Frisches und gesundes zur Stärkung.

Frisches und gesundes zur Stärkung.

Alles frisch!

Großer Andrang herrschte am Essensstand. Am Morgen gab es belegte Brötchen und zum Mittag Pleskaviča (Hacksteak), Bauernsalat mit Käse und Fladenbrot. Mit geübten Handgriffen bereitete Kurtic Nesat vor den Augen der Gäste das Essen zu. Frische Zutaten wie Zucchini, Tomaten und Gurken verarbeitete er zu einem leckeren Salat mit Käse.

Kurtic Nesat kocht mit Leidenschaft und ist in der Gastronomie erfahren. Er hat schon bei vielen größeren Restaurants gearbeitet. „Ich koche gerne Gerichte aus dem asiatischen und europäischen Raum, aber auch traditionelle Speisen vom Balkan. Wichtig ist mir, dass die Zutaten immer frisch sind“, sprach er über seine Philosophie des Kochens.

Alles frisch web

Vom Profi zubereitet.

Kurtic Nesat gehört dem islamischen Kulturzentrum der Roma in Düsseldorf an. Als die Vorbereitungen zum Turnier liefen, musste er nicht lange überlegen: „Ich kümmre mich ums Essen. Und als Dolmetscher kann ich bei Bedarf auch unterstützen.“

Sport vereint.

Sport vereint.

Wir haben noch viele Pläne

Getreu der alten Fußballerweisheit „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, richten die Organisatoren den Blick in die Zukunft. „Die Nachfrage ist enorm, da kann man im nächsten Jahr sicher noch mehr machen. Die Ideen gehen uns nicht aus“, erklärte Merfin Demir, der Projektleiter von ,,be young & roma‘‘. Sami Dzemailovski ergänzte: „Ein Fußballturnier im Freien oder ein Sport-Wochenende mit verschiedenen Wettkämpfen. Das wäre toll. Aber wir planen auch Veranstaltungen in ganz anderen Bereichen. So gibt es viele, die an einer Theatergruppe oder einem Chor Interesse haben. Hier könnte man verstärkt auch Eltern mit einbeziehen.“ Integration geht eben jeden an!

 

Das Team aus Krefeld.

Das Team aus Krefeld.

Das Projekt ,,be young & roma“ dient der Gewaltprävention durch Integrationsarbeit. Es ist ein Kooperationsprojekt der djo – Deutsche Jugend in Europa, Landesverband Nordrhein-Westfalen sowie der Interkulturellen Jugendorganisation von Roma und Nichtroma in Nordrhein-Westfalen, Terno Drom e. V. und der Städtischen Jugendfreizeiteinrichtung V24 der Landeshauptstadt Düsseldorf. Das Projekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie der Aktion Mensch gefördert.

Die Teams freuen sich schon auf das nächste Turnier.

Die Teams freuen sich schon auf das nächste Turnier.

Ergebnisse:

Die Plätze 1-3 belegten die Teams „Maghreb-Oberbilk“, „Roma Eltern-, Bildung- und Kulturverein in Krefeld“ und „Städtische Jugendfreizeiteinrichtung V24“.

Als bester Spieler wurde Christian Ling von Maghreb-Oberbilk ausgezeichnet. Die Pokale für den besten Torwart und den Torschützenkönig bekamen Rachid Amachichou und Muhamed Amachichou.

Autor: Dr. Christian Kahl