„Integration muss gewollt sein“ – Förderverein Gesamtdeutsche Bildungsstätte lud zum Himmighausener Gesprächsforum

Organisatoren und Referenten: Alfons Wrenger, Frau Dr. Sandra Legge, Sandra Zengerling, Heinz Vatheuer, BM Rainer Vidal

Organisatoren und Referenten: Alfons Wrenger, Frau Dr. Sandra Legge, Sandra Zengerling, Heinz Vatheuer, BM Rainer Vidal

„Migration und Integration: Belastungen, Herausforderungen, Chancen“, lautete das Thema, dem sich der Förderverein Gesamtdeutsche Bildungsstätte Himmighausen (FGBH) ein ganzes Wochenende lang widmete. In großer Runde diskutiert wurde in der ehemaligen Schule in Himmighausen, wo die Soziologin und Leiterin des Bildungsmanagements des Kreises Höxter, Dr. Sandra Legge, und Bürgermeister Rainer Vidal als Referenten zur Verfügung standen.

In seinem Grußwort erklärte der Vorsitzende des FGBH, Heinz Vathauer, dem Verein sei das Thema so wichtig, dass er das 26. Deutschlandgespräch, das nun zum ersten Mal als „Himmighauser Gesprächsforum“ fortgesetzt werde, von der Bildungsstätte weg in den Ort hinein verlegt habe.

Sowohl mit der Namensänderung als auch mit der Wahl des Tagungsortes solle deutlich werden, dass sich der einstmals ausschließlich deutschen Themen widmende FGBH öffnen und alle Menschen ansprechen wolle. Dr. Sandra Legge informierte zunächst über ihre Aufgaben und Ziele als Leiterin des Bildungsmanagements des Kreises Höxter und setzte sich anschließend mit den zwei Seiten der Integration auseinander.

Integration sei ein langwieriger Prozess, dessen Ziel die Einbeziehung aller dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland lebenden Menschen in die Gesellschaft sei, sagte Legge. Ein Patentrezept für Integration lasse sich aber nicht anbieten, denn sie sei ebenso vielschichtig, wie die unterschiedlichen Gruppen, die es zu integrieren gelte. Außerdem hänge der Erfolg der Integration nicht unerheblich von der Bildung der Migranten ab. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe bestehe darin, geeignete Wege für die Eingliederung der Zuwanderer zu finden und ihnen bei der Suche nach einem neuen, lebenswerten Umfeld, nach einem neuen Zuhause, behilflich zu sein.

Als eine von vielen Möglichkeiten nannte Legge die Einbindung in Festkomitees oder Planungsgruppen der Vereine. Entscheidend für das Gelingen sei in jedem Fall der Abbau von Vorurteilen. Am besten gelinge das in den offenen Ganztagsschulen. „Je länger die Kinder miteinander lernen, spielen und arbeiten, umso näher kommen sie sich und umso besser verstehen sie sich später“, sagte Legge. Die Kommunen sollten mehr Kontaktmöglichkeiten schaffen, auf eine soziale Durchmischung achten sowie Begegnungsstätten und gemeinsame Veranstaltungen fördern.

Es gelte Kommunikationsbarrieren und Ängste abzubauen, die Sprachförderung voranzutreiben und gemeinsame Interessen und Ziele hervorzuheben. Dagegen seien Gewalt, strukturelle Diskriminierung und institutionelle Diskriminierung die Folgen von Vorurteilen. Von einer gelungenen Integration könnten indes die Wirtschaft, die Gesellschaft und somit der Staat profitieren.

Um die Eingliederung der Zuwanderer gezielt voranzutreiben, sei es notwendig, Schulen als Integrationszentren zu führen und die Vielfalt wertzuschätzen und zu nutzen. Wichtig sei, auf beiden Seiten Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen. Mit der in 2013 erfolgten Einrichtung eines kommunalen Integrationszentrums befinde sich der Kreis Höxter auf einem guten Weg, sagte Legge.

Nieheims Bürgermeister Rainer Vidal berichtete aus der Sicht des Betroffenen. Seine Frau ist die Tochter eines spanischen Gastarbeiters. Sie machte in Bad Driburg Abitur, absolvierte ein Studium und lehrt heute an einem Berufskolleg in Paderborn.

Zum Ende der Veranstaltung in Himmighausen forderte Heinz Vathauer zum offenen Dialog und zu einem fairen Umgang mit allen Menschen auf. Am Sonntag besuchte der rund 100 Mitglieder zählende Förderverein die Zentrale Übergangseinrichtung Weberhaus in Nieheim.

Der Beitrag erschien erstveröffentlicht bei www.nw-news.de, dem Internetdienst der Neuen Westfälischen vom 22.10.2013. Autor: Josef Köhne